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Herbst im Grazer Kunstverein
19. September – 22. November 2019

 

steirischer herbst ’19 – Grand Hotel Abyss
Riccardo Giacconi
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Bildcourtesy von Riccardo Giacconi


Eine Ausstellung und Performance von Riccardo Giacconi für steirischer herbst ’19 – Grand Hotel Abyss (Grand Hotel Abgrund) und die Herbstsaison des Grazer Kunstvereins.

Und wenn wir nur noch die Wahl zwischen zweierlei Faschismen hätten? Riccardo Giacconi widmet sich in seiner neuen Arbeit einem abgründig-vertrauten Szenario. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Südtiroler*innen die Option, entweder ins nationalsozialistische Österreich oder in andere Teile des Dritten Reichs auszuwandern, oder aber im faschistischen Italien zu bleiben. Dort wurden sie gezwungen, sich der italienischen Kultur und Sprache anzupassen. In seiner Installation in den Räumen des Grazer Kunstvereins und einer Performance während der Eröffnungstage des steirischen herbst ’19 auf den Straßen von Graz erkundet Giacconi Resonanzen zwischen dem Zeitalter der sogenannten Südtirol-Option und dem gegenwärtigen politischen Klima in Europa. Er nutzt Volkskultur, politische Propaganda und Zeitzeugenberichte, Schattenspiele, Plakate, Film- und Tondokumente, um eine kritische Sicht auf Vorstellungen von Staatsbürgerschaft, Blut-und-Boden-Ideologie oder Migration zu gewinnen. Giacconi spielt mit Fiktion, Abstraktion und dem Erzählen im historischen Präsens und verbindet so die beiden mehr als siebzig Jahre auseinanderliegenden Zeitmomente miteinander. Unsere heutigen Verhältnisse werden dabei durch die Linse eines vergangenen Ereignisses betrachtet.


Riccardo Giacconi (1985, San Severino Marche, Italien) ist ein Künstler, dessen Werk komplexe Erzählungen durch historische Recherchen, das genaue Studium von Dokumenten und die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Fachleuten (von Grafikern und Anthropologen bis hin zu Wissenschaftlern und Puppenmachern) untersucht. Giacconi untersucht anhand von bewegten Bildern, Performances, Tönen, Skulpturen und Installationen die Verlagerungen und Grenzverschiebungen der Geschichte des 20. Jahrhunderts und ihre Resonanz zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Giacconi studierte Bildende Kunst an der Universität IUAV von Venedig und promoviert derzeit am PhDArts-Programm der Universität Leiden. Seine Arbeiten wurden in verschiedenen Institutionen ausgestellt, darunter ar / ge Kunst (Bozen), FRAC Champagne-Ardenne (Reims), MAC (Belfast), WUK Kunsthalle Exnergasse (Wien), MAMbo (Bologna) und Fondazione Sandretto Re Rebaudengo (Turin). Er war Artist-in-Residence im Künstlerhaus Büchsenhausen (Innsbruck), im Centre International d'art et du Paysage (Vassivière), im Museum für zeitgenössische Kunst in Rom (Cali), im MACRO Museum für zeitgenössische Kunst in Rom und in La Box (Bourges). Giacconi präsentierte seine Filme auf verschiedenen Festivals, unter anderem auf der Mostra del Cinema di Venezia, dem New Yorker Filmfestival, dem Internationalen Filmfestival Rotterdam, Visions du Réel und dem Internationalen Filmfestival FID Marseille, wo er 2015den Grand Prix des internationalen Wettbewerbs in Marseille gewann. 2007 war er Mitbegründer des Kollektivs Blauer Hase, mit dem er die periodische Publikation 'Paesaggio' und das Festival 'Helicotrema' kuratiert. Giacconi lebt in Mailand.


In Auftrag gegeben und koproduziert von Grazer Kunstverein und steirischer herbst ’19.


Das Generalkonsulat für Zeitgenössische Kunst und Architektur und Urbane Peripherien des italienischen Ministeriums für kulturelles Erbe und kulturelle Aktivitäten unterstützt die Teilnahme von Riccardo Giacconi am Festival steirischer herbst ’19 im Rahmen des Programms des Italian Council Programms 2019.