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Tai Shani
Tragodía
13. März – 4. September 2020





Tai Shani wird schon lange verstorben sein, bevor es die Welt, von der sie träumt, tatsächlich geben wird. Aber wenn sie zumindest auf kleine Weise dazu beitragen kann, dass wir uns diese Welt vorstellen, sie heraufbeschwören und schließlich auch realisieren können, wird sich ihre Arbeit als Künstlerin gelohnt haben.

In Tragodía hält der Tod alles zusammen. Shani kreiert hier – in Form eines virtuellen Reality-Stücks, das sich im Zusammenspiel mit einer erlesenen skulpturalen Installation entwickelt – ein spekulatives Portal, das in den unbekannten Raum zwischen Leben und Tod hineinreicht, in dem Verwandtschaft, Intimität, Liebe und die Ganzheit des Daseins in einer lebendigen Nahaufnahme kontempliert werden können.





Das Stück erzählt die Geschichte des tragischen Todes eines Einzelkindes, das nach einem brutalen Autounfall stirbt. Sie lässt nach ihrem Tod ihre ihr eng verbundenen Angehörigen zurück: Großmutter, Tante, Mutter und Oedipuss die Katze, die alle von der Gewalt der Trauer und Liebe zu ihr erschüttert sind. Durch das narrative Mittel der virtuellen Realität erfahren wir das Stück aus der inneren Perspektive des sterbenden Geistkinds, das in einem Traumreich irgendwo zwischen unserem eigenen Körper, dessen posthumaner Existenz und dem metaphysischen Jenseits schwebt.







Gleichzeitig, als atmende Köper in der materiellen Welt, sind wir im Ausstellungsraum von einer sakralen lilafarbenen Landschaft aus Gegenständen umgeben; Totenmasken, Amulette, Relikte, Talismane, Knochen, Haar und Kristalle liegen verstreut über einer Schaltkarte aus Verbindungen. Diese uralte archäologische Ruine wird zu einer Begräbnisstätte für das verstorbene Kind und seine Lieben, die sich angestrengt bemühen, in einer greifbaren, konkreten Realität alle möglichen Zukunftsaussichten und Vergangenheiten zusammenzuhalten.

Shani ist Künstlerin, Welterschafferin und Seherin alternativer Realitäten. Ihre Vision einer post-patriarchalen, feministischen Zukunft schafft Raum für neue Subjektivitäten und wirft mit Dringlichkeit und Hoffnung Licht auf ein mögliches Morgen.

Co-produziert von denTemple Bar Gallery + Studios, Dublin, und Jindřich Chalupecký Society, Tschechien, wird Tragodía von der mit dem Turner Prize-ausgezeichneten Künstlerin Tai Shani im Grazer Kunstverein am 13. März eröffnet und ist dort bis zum 4. September 2020 zu sehen.