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Bild: Fink's von Fiona Hallinan, Christine Winkler
Courtesy Grazer Kunstverein

Fink’s fungiert als Schwelle des Grazer Kunstvereins und ist in diesem Sinn ein Empfangsraum für Gastfreundschaft und Veranstaltungen, die mit dem Ausstellungsprogramm in Zusammenhang stehen.

Fink’s besteht aus einer Regalstruktur, einer Bar und einem System aus Sitzgelegenheiten, das von den Architekturateliers Brauchst und Studio Magic kreiert wurde. Diese System ist so angeordnet und gestaltet, dass es laufende Projekte zeigt und die BesucherInnen dazu einlädt zu verweilen, zu kosten, zu riechen und Fragen darüber zu stellen, was sie sehen. In jeder Saison werden Drinks und Snacks für die Eröffnungen, für Treffen und andere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit anderen KünstlerInnen als Teil ihrer Arbeit produziert. Durch den Askpekt der Gastfreundschaft kreiert Fink's einen Ort für alternative Forschung und Entdeckung und ein lebendiges Archiv aus Aktivitäten. Dabei regt es zur Wissensproduktion in vielfältigen Formen an und ermöglicht diese.

2017 lag der Fokus von Fink’s auf der Sammlung und dem Austausch von Inhaltsstoffen und auf der Erforschung essbarer Pflanzen und Kräuterkunde. Die Künstlerin Fiona Hallinan produzierte für jede Saison ein Pulver aus den Beiträgen von GastkünstlerInnen bzw. aus Kräutern, Obst, Gemüse und Gewürzen, die in Graz und der Steiermark zu finden sind. Die Inhaltsstoffe und Reste des Pulvers wurden während einer Zeitperiode gesammelt, in der für Veranstaltungen, Eröffnungen und Gespräche, Konversationen und Workshops gekocht wurde. Dies alles wurde durch Dehydrieren und Mahlen in Fink's Küchenstudio verarbeitet, was dann ein Pulver oder einen Staub ergab, der jede Saison repräsentierte. Die BesucherInnen des Grazer Kunstvereins waren dazu eingeladen, ein Pulvermuster einer jeden Saison mit nach Hause zu nehmen. Beispielsweise bestand das Pulver der Sommersaison 2017 aus den folgenden Pflanzen: Stachelbeere, Iris, Amarant, Eibisch, Bärwurz, Indianernessel, Pimpinella, Jostabeere, Fenchel, Frauenmantel, Schafgarbe, Spitzwegerich, Schwarze Königskerze, Pastinake, Fette Henne, Johanniskraut, Beifuß, Ackerschachtelhalm und Lorbeer.

Im Laufe des Jahres 2018 hatte Fink’s das Department of Ultimology zu Gast. Die Ultimologie ist das Studium dessen, was tot oder im Sterben begriffen ist, was bedroht oder ausgestorben ist. Das erste Department of Ultimology wurde von Fiona Hallinan und Kate Strain im Jänner 2016 im Trinity College Dublin eingerichtet. Die Ultimologie diente als konzeptueller Hintergrund oder Referenzpunkt für die Entwicklung des künstlerischen Ausstellungsprogramms für das gesamte Jahr und auf ihrer Basis wurde über immer wiederkehrende Themen wie Verlust, Verschwinden, Verbindungen mit historischen Figuren, Veränderung, Tod und Enden wie auch über Neuanfänge nachgedacht. Im September 2018 stellte Fink's ein Forschungsprojekt mit dem Titel What Where aus. Dieses Projekt wurde in Kooperation mit steirischer herbst '18 Volksfronten konzipiert. Von den Forscherinnen Nina Höchtl und Julia Wieger, den Gründerinnen des Secretariat for Ghosts, Archival Politics and Gaps, wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um die Kultur der Umgebung zu verstehen, zu reflektieren und zu hinterfragen, woraus genau sie besteht oder wie sie konsumiert, gefördert, praktiziert und erhalten wird, und wie sie bei diesem Prozess, ob beabsichtigt oder nicht, einer Auslöschung entgehen kann. Die Bar und die Sitzgelegenheiten von Fink's dienten als Hosting-Bereich, in dem die BesucherInnen lesen, sich ausruhen und sich mit einem Fragebogen beschäftigen konnten, der zum Nachdenken über persönliche Beziehungen mit spezifischen Facetten der eigenen Umgebung und Kultur anregte. Es wurde ein besonderer Tee mit getrockneten Gingko-Biloba-Blättern produziert. Diese Blätter sollen das Erinnerungsvermögen und lebhaftes Träumen stimulieren.

Im Jahr 2019 kehrt Fink's zu seiner ursprünglichen Funktion als gastfreundlicher Raum mit Projekten zurück, die in enger Zusammenarbeit mit GastkünstlerInnen im Rahmen eines durch die Jahreszeiten geprägten Programms entwickelt wurden.