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Frühling im Grazer Kunstverein
8. März – 24. Mai 2019

Zu Ostern von 19.–22. April 2019 geschlossen.

Sylvia Schedelbauer
Collected Works 2004–2018


Sylvia Schedelbauer, Still aus Wunschbrunnen, 2018.
Bildcourtesy bei der Künstlerin.

Sylvia Schedelbauer macht experimentelle Filme, die von autobiografischen Dokumentationen hin zu viszeralen Erkundungen imaginärer Szenarien reichen. Diese Ausstellung präsentiert eine großformatige, umfassende Passage durch Schedelbauers gesamtes Oevre und führt uns von ihrer jüngsten Arbeit, Wunschbrunnen, 2018, zurück zu ihrem ersten Werk Erinnerungen, 2004.

Im Laufe der Jahre hat Schedelbauer ihre eigene, einzigartig strukturelle Filmsprache entwickelt mit der sie die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, Erinnerung und Geschichtsschreibung auslotet, und identitäre Fragen der kulturellen Dislokation sowie Transnationalität erkundet. Sie verwendet dabei narrative Techniken wie Traumlogik, Biografie, allegorische Collage, freie Assoziation und offene Erzählkunst, die den Zuschauer in einnehmende sensorische Erfahrungen tauchen. Die neueren Flickerarbeiten erweitern das Potential von Found Footage. Es sind Einzelbildanimationen, an deren Fertigstellung Schedelbauer oft Jahre arbeitet. In ihrer Arbeit mit Orphan Film – alte Lehr-, Industrie-, Amateur-, und Familienfilme sowie Wochenschauen aus Archiven oder persönlichen Sammlungen – manipuliert Schedelbauer Bilder, um sie cineastisch neu zusammenzusetzen. Auf diese Weise “bewohnt” sie existierendes Filmmaterial, mit dem sie eigene Geschichten (re)konstruiert, die stets neue Versionen einer Erzählung erzeugen.

Das Ausstellungsheft wird einen neu beauftragter Text von der in Dublin lebenden Filmemacherin, Kuratorin und Kodirektorin von aemi, Alice Butler, beinhalten.

Veranstaltung
Podiumsdiskussion in Zusammenarbeit mit der Diagonale – Festival des Österreichischen Films am Samstag, dem 23. März, um 11 Uhr.

Sylvia Schedelbauer wurde in Tokio geboren und zog 1993 nach Berlin, wo sie seitdem wohnt und arbeitet. Sie studierte an der Universität der Künste Berlin (mit Katharina Sieverding). In ihren Filmen verhandelt sie den Raum zwischen breiter angelegten historischen Narrativen und persönlichen, psychologischen Bereichen hauptsächlich durch poetische Manipulationen von gefundenem und archiviertem Filmmaterial. Zu den öffentlichen Präsentationen ihrer Arbeit gehören die Berlinale, das Toronto International Film Festival, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, das London Film Festival, das New York Film Festival, das Robert Flaherty International Film Seminar und das Stan Brakhage Symposium. Ihre Auszeichnungen beinhalten u.a. der VG Bildkunst-Preis, der Preis der deutschen Filmkritik und der Gus Van Sant Award für den besten Experimentalfilm.


Triple Candie
The Culmination of Eighteen Months of Speculative Inquiry into the Anaphoric and Cataphoric Plays of a Situationist Aesthete: This Exhibition—which isn’t really about Narratology per se—Collects the Unfaithful Simulations, (Re)Articulations, and Interpolations Endeavored by Triple Candie, in Principled Reverence for the Deceased and Beloved American Artist Michael Asher (1943–2012)


Triple Candie, Forschungsbild für If Michael Asher I, 2017.
Courtesy des Bildes bei Triple Candie und dem Grazer Kunstverein.

Im Lauf des Jahres 2018 und zu Beginn von 2019 arbeiteten Triple Candie an einem vielschichtigen Forschungsprojekt, in dem sie die Arbeit und das Erbe des legendären amerikanischen Konzeptkünstlers Michael Asher untersuchten. Asher ist bekannt dafür, temporäre Installationen in Museen und Galerien zu kreieren, um die verschiedenen, versteckten Systeme und Annahmen ans Licht zu befördern, welche die Kunstbetrachtung erst ermöglichen. Triple Candie erforschten sein Werk, um seine Produktionsmethodologie zu verstehen und diesen, auf neue und gemäßigt theatralische Weise, in den spezifischen Kontext des Grazer Kunstvereins zu integrieren.

Triple Candie schlugen vielfältige spekulative Installationen vor, die in einem aufeinanderfolgenden saisonalen Rhythmus während des gesamten Ausstellungsjahrs im Grazer Kunstverein gezeigt wurden. Tatsächlich stellten diese Installationen den Versuch dar, die verlorenen experimentellen Möglichkeiten der Arbeit eines Künstlers wie Asher wiederaufleben zu lassen, und fragten: „Ist es möglich, durch das spekulative Potenzial der Kunstpraxis lang verlorene Gesten auf neue und bedeutsame Weisen zu reaktivieren?“ Als Höhepunkt dieses umfangreichen Forschungsprojekts und als Teil der Frühlingssaison präsentieren wir eine Wiederaufnahme der ersten vier Installationen zusammen mit sieben zusätzlichen Anregungen, die bis dahin nie realisiert wurden. Außerdem stellen wir die bevorstehende Publikation eines Katalogs vor, der das gesamte Projekt dokumentieren und kontextualisieren wird.

Veranstaltung
Redaktionssitzung und öffentliche Diskussion mit Triple Candie und eingeladenen Gästen. Freitag, 17. Mai 2019.

Triple Candie (Shelly Bancroft und Peter Nesbett) ist eine in den USA beheimatete, kuratorische Produktionsagentur für Avantgarde, die mit Museen und zeitgenössischen Kunsträumen in Ausstellungen über Kunst zusammenarbeitet, in der Regel aber unabhängig von diesen agiert. Von 2001 bis 2010 führte sie eine Galerie in Harlem. Seitdem präsentiert sie Projekte in Australien, Europa, in den Vereinigten Staaten und an Veranstaltungsorten wie Chateau Shatto, Los Angeles, Deste Foundation, Athen, Gertrude Contemporary, Melbourne, Museum of Contemporary Art Detroit, Project Arts Centre, Dublin und im Utah Museum of Contemporary Art, Salt Lake City. Überblickspräsentationen von Triple Candies Arbeit wurden im FRAC Île-de-France/Le Plateau, Paris (2012) und in der Addison Gallery of American Art, Andover, Massachusetts (2017) vorgestellt.

Diese Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Phileas – A Fund for Contemporary Art produziert.


*CRK+ ist ein Netzwerk von unabhängigen Grazer Institutionen, deren gemeinsames Interesse die Vermittlung von zeitgenössischer Kunst im internationalen Kontext ist, vormals CMRK.