Top / Nach oben

My Summer is your Winter
Sommer im Grazer Kunstverein
14. Juni – 1. August 2019

Eröffnungsempfang und Sommerfest: Freitag, 14. Juni, 20 Uhr

Performances im Rahmen des Sommerfests:
Julian Pristauz, Chris Evans und Morten Norbye Halvorsen, Marta Navaridas und Monique Fessl

Künstlerinnen und Künstler der Sommersaison:
Fahim Amir, Simnikiwe Buhlungu, Laurie Charles, Chris Evans, Dora Garcia, Morten Norbye Halvorsen, Veronika Hauer, Krõõt Juurak und Alex Bailey, Fiston Mwanza Mujila


Krõõt Juurak und Alex Bailey, Performances for Pets
Foto: Erich Malter. Bildcourtesy figuren.theater.festival. und die Künstler.

Diesen Sommer präsentiert der Grazer Kunstverein ein Jahreszeitenprogramm aus Performances, bildender Kunst, Bewegtbild, Sound, Text und Workshops, welches Fiktion als Methode oder Werkzeug auslotet. Und dabei der Frage nachgeht, wie es ist, jemand oder etwas anderes zu sein – sei es human oder inhuman, real oder imaginär. Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern denken wir über die Grenzen von Fiktion und Realität nach sowie darüber, wie erstere einen Raum für Handlungsfähigkeit, Empathie und Erkenntnis schafft. Mit welchen Formen von Fiktion können wir arbeiten, um andere Formen von Bewusstsein zu denken?

Die Ausstellung zelebriert die Kraft fiktionaler Erzählungen und ist Elisabeth Costello gewidmet, einer wiederkehrenden Romanfigur des Schriftstellers J. M. Coetzee. Costello vertritt die These, dass die genaue Erforschung des Bewusstseins bei Tieren nicht nur notwendig, sondern von besonderem philosophischer Wert sei. Indem wir uns bewusst auf neue Stimmen aus dem Bereich der Imagination einlassen, werden auch jene der Realität viel klarer zu hören sein, die zu den notwendigsten und dringlichsten zählen.


Biografien der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler:

Fahim Amir ist Philosoph und Kulturwissenschaftler und arbeitet an den Schnittstellen von NaturKulturen und Urbanismus, kolonialer Historizität und Moderne sowie zu transkultureller Handlungsfähigkeit. Er kuratierte das Live-Art-Festival 2013 mit dem Titel ZOO 3000: OCCUPY SPECIES (Kampnagel, Hamburg) und Salon Klimbim: Von vegetarischen Tigern und utopischen Unterhandlungen (Secession Wien, 2014). Amir ist Mitherausgeber von Transcultural Modernisms (Sternberg Press, 2013) und verfasste das Nachwort zur deutschen Übersetzung des Companion Species Manifesto von Donna Haraway (Das Manifest für Gefährten: Wenn Spezies sich begegnen – Hunde, Menschen und signifikante Andersartigkeit, Merve, 2016). Seine jüngste Publikation SCHWEIN UND ZEIT. TIERE, POLITIK, REVOLTE erschien vergangenen September und gewann den Karl-Marx-Preis 2018.

Simnikiwe Buhlungu wurde 1995 geboren, ein Jahr nach dem Ende der Apartheid in Südafrika. Die Künstlerin studierte an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg, wo sie auch ihren Lebensmittelpunkt hat. Sie arbeitet print- und textbasiert und wählt oft installative Formen für ihre Beschäftigung mit persönlichen und soziohistorischen Narrativen. Dabei schafft sie ein komplexes Netz aus [re]imaginierten Auseinandersetzungen, die oftmals um das Thema Wissensproduktion(en) kreisen – ein äußerst komplexes Feld aus [un]geschriebenen, [un]gesprochenen, [nicht] durchgeführten und [un]sichtbar gemachten Erkenntnissen und Erfahrungen. Ihre künstlerische Praxis lässt sich als Konversationsakt beschreiben, ein Wechselspiel aus Fragestellungen und dem Versuch, Antworten auf die formulierten Ideen zu geben. In Johannesburg war Simnikiwe Buhlungu bislang in zahlreichen Ausstellungen, Projekten und Räumen vertreten, darunter Wits Art Museum, Fourthwall Books, Sosesame Gallery, No End Contemporary Gallery, Assemblage, The Point of Order, NGO (Nothing Gets Organised), Stevenson Gallery, Room Gallery & Projects, Keleketla! Library und the Centre for the Less Good Idea. Jüngste internationale Beteiligungen umfassen etwa eine Residency im belgischen Kunstzentrum WIELS (2018, Brüssel) sowie die Teilnahme an der Berlin Biennale (2018).

Laurie Charles lebt und arbeitet in Brüssel und studierte an der Akademie der Schönen Künste in Bordeaux. Erzählungen sind ein zentrales Element ihrer künstlerischen Praxis: In ihren Videos verwebt Charles Folklore, Geschichts- und Geisteswissenschaften und in ihren Texten und Malereien arbeitet sie mit spekulativen Narrativen. Mit ihren Arbeiten ist sie international vertreten: CIAP Kunstverein Hasselt), 1646 – project space for contemporary art, Den Haag, Nanjing International Art Festival, Beursschouwburg, Brüssel, Komplot, Brüssel, und Le Commissariat, Paris. Charles ist Gastlehrende im Masterstudiengang Editorial Practice an der Brüsseler Royal Academy of Art.

Chris Evans ist ein in Brüssel lebender Künstler, dessen Arbeit sich häufig aus Gesprächen mit Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen entwickelt, die er aufgrund ihrer Position im öffentlichen Leben oder ihrer Symbolwirkung ausgewählt hat. Skulpturen, Briefe, Zeichnungen, Drehbücher und daraus resultierende sperrige sozialen Situationen verweisen auf eine größere Struktur, innerhalb derer Evans bewusst die Rollen von Künstler und Mäzen, Autor und Muse vermischt. Seit 2000 werden seine Arbeiten international gezeigt, darunter finden sich zahlreiche Einzelausstellungen: C.A.N. Centre d’Art Neuchatel (2018), Praxis, Berlin (2015), Project Arts Centre, Dublin (2014), Marres, Maastricht (2010); Objectif Exhibitions, Antwerpen (2010), the British School in Rom (2008) und Art Pace, San Antonio (2007). Auf Teilnahmen an der 6. British Art Show (2005) und der East International (2006) folgten Einladungen zu mehreren Kunstbiennalen: Athen Biennale (2007), Taipei Biennale (2010) und Liverpool Biennale (2014). 2016 wurde er mit dem Bryan Robertson Trust Award ausgezeichnet.

Dora García lebt und arbeitet in Barcelona und Oslo. Sie unterrichtet derzeit an der Osloer Akademie der Künste und an der Genfer Hochschule für Kunst und Design, HEAD. García ist Co-Direktorin von Les Laboratoires d’Aubervilliers, Paris. Internationale Biennale-Auftritte umfassen: Spanischer Pavillon der 54. Venedig Biennale (2011), Rahmenprogramm der 55. Venedig Biennale (2013), Hauptausstellung der 56. Venedig Biennale (2015), documenta 13 (2012), Skulptur Projekte Münster (2007), Sydney Biennale (2008) und Sao Paulo Biennale (2010). Ihre Arbeit ist weitgehend performativ und beschäftigt sich mit Fragen der Gemeinschaft und Individualität in der heutigen Gesellschaft. Dabei untersucht sie das politische Potenzial von Randpositionen mit einem besonderen Fokus auf exzentrische Charaktere und Antihelden. Letztere stehen oft im Mittelpunkt von Filmprojekten wie The Deviant Majority (2010) und The Joycean Society (2013).

Marta Navaridas und Monique Fessl kollaborieren für ein Musikprojekt. Navaridas ist in San Sebastián geboren und studierte Translationswissenschaften an der Pompeu Fabra Universität in Barcelona, Choreografie an der ArtEZ Universität Arnhem und Mime an der HKA Amsterdam. Sie lebt in Graz, wo sie seit 2008 regelmäßig mit Alex Deutinger text-basierte Performances realisiert. Monique Fessl arbeitet seit über 20 Jahren als Musikerin, DJ und Produzentin im Bereich elektronischer Musik. Ihre fortlaufenden Tätigkeiten beinhalten Kooperationen und Veröffentlichungen im internationalen und europäischen Bereich, ihre Musiktitel sind hochfrequenter Bestandteil der Playlists zahlreicher Radiostationen. Nach längeren Aufenthalten in Berlin, Hamburg und Hannover hat sie ihre derzeitige Homebase in Graz.

Morten Norbye Halvorsen ist Künstler und Komponist und lebt in Berlin und Stavanger. Mit seinen Arbeiten war Halvorsen bislang in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen präsent, darunter: 9. Norwegische Skulpturen Biennale, Vigeland Museum, Oslo (2017), Wave Table Concert, Kunsthalle Stavanger (2016), Gain Vapor Rise, Gaudel de Stampa, Paris (2016), All the Instruments Agree, Hammer Museum, Los Angeles (2015), The Companion, Liverpool Biennale, (2014), Pan Exciter, NoPlace, Oslo, Alluvium, Objectif Exhibitions, Antwerpen, oO, Litauischer/Zypriotischer Pavillion, 55. Venedig Biennale (2013), Run, comrade, the old world is behind you, Kunsthalle Oslo (2011), Repetition Island, Centre Pompidou, Paris (2010) und Paper Exhibition, Artist Space, New York (2009).

Veronika Hauer lebt und arbeitet in Graz. Sie studierte am Goldsmiths College London, an der Wiener Universität für Angewandte Kunst und an der École supérieure d'Arts graphiques in Paris. Hauer ist Mitbegründerin und Herausgeberin des Online Magazins zu zeitgenössischer Kunst Nowiswere. Sie unterrichtet an der Wiener Universität für Angewandte Kunst (Abteilung Kunst und kommunikative Praxis). Ihre Arbeiten werden national und international ausgestellt, u.a.: ICA in London, Galerie im Taxispalais, Innsbruck, Glasgow International Festival. Weiters ist sie mit zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen in Wien und Graz vertreten, zuletzt etwa im Forum Stadtpark und im Kunsthaus Graz.

Krõõt Juurak und Alex Bailey leben und arbeiten in Wien. Juuraks künstlerische Praxis umfasst Performances, Präsentationen, Texte, Workshops sowie Stimmungswechsel und hinterfragt die Definitionsgrenzen von Choreographie und Performance. Sie absolvierte ArtEz, Arnhem, in Tanz und Choreografie 2003 und erwarb einen Master in Bildender Kunst am Sandberg Institut, Amsterdam. Bailey hat ebenfalls am Sandberg Institute studiert und ein MFA absolviert. Mit der gemeinsamen Arbeit Performances for Pets (2014)  sind Juurak und Bailey bei internationalen Tanz- und Kunst-Festivals zu Gast und haben bereits für über 100 Haustiere in europäischen Städten und Wohnungen performt. Bailey hat zudem die Praxis der Humourolgy entwickelt, eine Studie über humoristische kosmische bis komische Kommunikation. Sowohl Performances for Pets als auch Humourology werden von der Galerie International vertreten, einer immateriellen Galerie, die von den beden Künstlern Adriano Wildert Jensen und Simon Asencio betrieben wird und auf immaterielle Kunst spezialisiert ist. Auf Performances for Pets folgten die Arbeit Animal Jokes (for Animals), gezeigt in der Sezession, Wien, beim Festival Xing, Bologna, und im Bonnefanten Museum, Maastricht, sowie Animal Show, gezeigt im WUK Performing Arts, Wien. Ihre jüngste Kollaboration, Codomestication, wurde 2019 in Zusammenarbeit mit ihrem gemeinsamen Sohn Albert im Tanz Quartier Wien uraufgeführt.

Fiston Mwanza Mujila, geboren 1981 in Lubumbashi, lebt in Graz und ist ein französisch-sprachiger kongolesischer Autor. 2009 erhielt er einen Preis für seinen Literaturbeitrag bei den Spielen der Frankophonie, die in jenem Jahr im Libanon abgehalten wurden. Sein Debüt-Roman Tram 83 stand 2015 auf der Longlist des Man Booker International Prize und erhielt den Etisalat Preis für Literatur sowie den Internationalen Literaturpreis des Haus der Kulturen der Welt 2017. Der Roman wurde 2018 für die Bühne adaptiert und hatte seine Uraufführung im Grazer Schauspielhaus im Rahmen des Festivals steirischer herbst. Die Gedichtsammlung Le Fleuve dans la Ventre / Der Fluß im Bauch wurde ebenfalls in einem performativen Setting aufgeführt, zuletzt etwa im Grazer Kunstverein im Rahmen der Sommersaison 2017. Mwanza Mujila lebt seit 2009 in Graz und unterrichtet Afrikanische Literatur an der Karl-Franzens Universität.

Julius Pristauz ist in Graz geboren und aufgewachsen und lebt heute in Wien. Nach seinem Umzug in die Hauptstadt begann er 2017 Transmediale Kunst in der Klasse von Brigitte Kowanz zu studieren. Zusammen mit Amar Priganica bildet er das Künstlerduo GANICA STAUZ. Seit 2018 ist Pristauz für die Galerie EXILE tätig, die kürzlich von Berlin nach Wien gezogen ist. Er blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Kreativwirtschaft zurück und arbeitet – neben seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler – als freier Kurator, Herausgeber und Journalist im Bereich zeitgenössischer Kultur.


Morten Norbye Halvorsens Projekt erhielt eine Förderung vom OCA Norwegen (Office for Contemporary Art Norway). Ein besonderer Dank gilt legero united – the shoemakers | Initiator of con-tempus.eu für die Unterstützung der künstlerischen Neuproduktionen der in Belgien lebenden Künstler Laurie Charles und Chris Evans.