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Herbst im Grazer Kunstverein

Emma Wolf-Haugh
Domestic Optimism
Act One: Modernism - A Lesbian Love Story

24. September – 20. November 2020


Emma Wolf-Haugh, Domestic Optimism, Architectural Anecdotes #01, Unité d'habitation, Berlin, 2019

Kolonialästhetik, Unzuchtsverfahren, hysterische Maskulinität, Tatortfotografie, Sexologie, die Produktion des Lesbischen in der Moderne und der zeitgenössische Zusammenbruch des sozialen Wohnungsbaus nach dem Krieg überschneiden sich in einer kritisch queeren, von der Arbeiterklasse beeinflussten Interpretation der Moderne in Architektur und Design. Domestic Optimism ist eine performative Ausstellung, die dem historischen Erbe durch markante Umgangssprache und Ästhetik zu Leibe rückt. Das Projekt dokumentiert und inszeniert Formen der Beschriftung, temporäre Verlagerungen sowie Abweichungen von einer ,sapphischen‘ Moderne hin zu den Oberflächen zeitgenössisch queerer Eigenheime und Körper der Arbeiterklasse. Die in Irland geborene, autodidaktische, modernistische Architektin/Designerin Eileen Gray ist eine wichtige Persönlichkeit im Feld der Projektforschung, nicht als heroische Einzelperson, die sich für eine Heiligsprechung eignet, sondern als eine kollektiv engagierte queere Frau, die einer erweiterten Peergruppe selbstbewusster lesbischer Frauen im Paris des frühen 20. Jahrhunderts angehörte. Mit dem gegenwärtigen Rückgang des historischen Denkens sind Veränderungen in der historischen Erzählung notwendig, um die Vergangenheit in die turbulente Gegenwart zu bringen.

Emma Wolf-Haugh (geb. 1974) ist eine bildende Künstlerin und Lehrende, die in Berlin und Dublin arbeitet. Sie verbindet Installation, Performance, das Publizieren von Texten und kollaborative Workshoptechniken miteinander und interessiert sich für die Neuausrichtung der Aufmerksamkeit auf kulturelle Narrative. Sie entwickelt ihre Arbeit auf der Basis von queer/feministischen Untersuchungen über das, was fehlt. Ihre Praxis ist von früheren Erfahrungen im Theater und in queeren DIY-Club-Szenen beeinflusst: beides Orte, an denen Räume und räumliche Beziehungen auf temporärer Basis generiert werden können. Die Bühnen und der Dance Floor oder die Dunkelkammer dienen dazu, die Aufmerksamkeit auf ein Set ästhetischer Praktiken zu fokussieren, zu denen die Manipulation von audiovisuellen, beweglichen harten/weichen Architekturen, Ephemera und der performende Körper gehören. In diesem Sinn hat sich die Künstlerin kontinuierlich eingehend mit den Ästhetiken der Club-Kultur zusammen mit Fragen von Raumpolitik und der Integration von Theatralik als Weg des Aussagenmachens beschäftigt. Seit 2015 gehört sie zu dem internationalen KünstlerInnen-KuratorInnen-Kollektiv The Many Headed Hydra mit der Kuratorin Suza Husse. Emma ist seit Juli 2019 Artist-in-Residence im Irish Museum of Modern Art. Zu den aktuellen & neueren Projekten gehören: Seized by the Left Hand, kuratiert von Eoin Dara und Kim McAleese im Dundee Contemporary Arts Centre, Dezember 2019, Is it Possible to Exist Outside of Language, kuratiert von Aziz Sohail, in der Indus Valley School of Art & Architecture, Karatschi, Pakistan, I SLIPPED INTO MY FIRST METAMORPHOSIS SO QUIETLY THAT NO ONE NOTICED, kuratiert von Gitte Villesen, Den Frie Center Of Contemporary Art, Kopenhagen (2019), Colomboscope interdisziplinäres Kunstfestival, kuratiert von Natasha Ginwala, mit The Many Headed Hydra, Sri Lanka (2019).

Koproduktion mit dem Project Arts Centre, Dublin. Unterstützt von Culture Ireland.