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Der Grazer Kunstverein zieht um!

Im Laufe des Jahres 2020 wird der Grazer Kunstverein eine Machbarkeitsstudie mit dem Ziel durchführen, spekulativ den Umzug der Institution an einen anderen Ort zu entwickeln. Dieses performative Publikumsprogramm wird neben dem fortlaufenden Ausstellungsprogramm angeboten und findet in Form einer begleitenden Serie aus Kurzzeitveranstaltungen an Testorten in allen 17 Bezirken der Stadt Graz statt.

Konzipiert mit Edward Clydesdale Thomson und einem erweiterten Team (Kate Strain, Tanja Gurke, Margareth Otti, Christina Simmerer und Ahmad Darkhabani) in Zusammenarbeit mit Graz Kulturjahr 2020 haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, im Rahmen eines einjährigen Forschungsprojekts ein neues Zuhause für die Institution zu finden.

Bitte schauen Sie im Kalender für zukünftige Termine nach.



Die Idee des Umzugs bietet uns eine Gelegenheit, die Rolle und Funktion des Kunstvereins neu zu überdenken. Was tun wir und für wen tun wir dies? Wie würde ein Umzug unsere derzeitigen Produktionsmethoden verändern und beeinflussen? Welcher Freiheit und welchen Herausforderungen würden wir begegnen, wenn wir ganz einfach unsere vier Wände in der Inneren Stadt verlassen? Inwiefern könnte uns der Umzug in die Lage versetzen, die Rolle der Kultur und die Notwendigkeit von Kunst in der Stadt aktiv zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren?

Welchen Lernprozess würde dies für die Institution einleiten? Könnten wir den Kunstverein als Bibliothek für ausgelassene Geschichten mit Belinda Kazeem-Kamiński in Gries neu erfinden? Könnte er die Umkleideräume des Fußballstadiums in Liebenau für feministische Science Fiction-Lesungen von Tai Shani besetzen? Könnten wir mit Alma Heikkilä Wurzeln in den Primärwäldern von Mariatrost pflanzen oder ein dauerhaftes Klassenzimmer im Freien mit Markus Jeschaunig in Zusammenarbeit mit dem Breathe Earth Collective etablieren?

Wie können wir uns Dinge anders vorstellen, als sie sind? Sollte der Kunstverein zu einem öffentlichen Badehaus mit Skulpturen von Anna Paul in Waltendorf werden? Oder zu einem mobilen Veranstaltungsort, der mit einer Performance von Dennis McNulty durch Andritz tourt? Könnten wir das Verderben der Kunstgeschichte in einer Bar in Lend mit Emma Wolf Haugh inszenieren? Was könnten wir bei einem Vortrag in St. Leonhard von Irina Gheorghe darüber herausfinden, was nicht da ist?

Wo passiert Kultur und zu wem gehört sie? Kann sie bei einem gemeinsamen Essen mit Fiona Hallinan in Ries geteilt werden? Oder in Prosa von Fiston Mwanza Mujila in einem aufgelassenen Aufzugsschacht in Gösting geflüstert werden? Könnte sie in einem Privatgarten in St. Peter in den Händen von Lukas Meßner gedeihen? Oder eine breitere Plattform neben Vorführungen von Bianca Baldi in Wetzelsdorf und Damir Očko in Straßgang finden?

Könnten wir ähnlich wie im botanischen Garten sorgfältige Pflege und Kultivierung in Geidorf praktizieren? Wie könnten wir die Wirtschaft verändern, indem wir von einem Marktstand in Eggenberg aus agieren? Sollen wir vielleicht physisch verschwinden und auf Radiowellen durch die Luft rund um Jakomini fliegen? Was, wenn wir neu anfangen und uns auf einem verlassenen Grundstück in Puntigam wieder neu aufbauen?



Erkenntnisse aus saisonalen Workshops, Performances, Veranstaltungen und Versammlungen werden in einem zentralen Depot im Grazer Kunstverein gesammelt. Dieses von Edward Clydesdale Thomson gestaltete Depot fungiert als Treffpunkt, Versammlungsort und Drehscheibe für Anregungen sowie als ein sich entwickelndes Projektarchiv, das eine neu beauftragte kreative Dokumentation von Clara Wildberger, Bettina Landl, Nava Ebrahimi, Christoph Szalay und The Schubidu Quartet präsentiert. Das Depot dient als dauerhafter Arbeitsort und Knotenpunkt für ein Kaleidoskop von explorativen Veranstaltungen über das ganze Jahr in der gesamten Stadt.

Der Grazer Kunstverein zieht um! wird als Publikumsprogramm parallel zu unserem fortlaufenden Ausstellungsprogramm mit wichtigen Einzelausstellungen von Richard Kriesche (Winter 2019/20), Tai Shani (Frühling/Sommer 2020), Emma Wolf Haugh (Herbst 2020) und Alma Heikkilä (Winter 2020) veranstaltet.

Das Programm Der Grazer Kunstverein zieht um! wird von Grazer Kulturjahr 2020 sowie zusätzlich vom Mondriaan Fonds gefördert. Die Daten für individuelle Publikumsprogramme werden im Jahresverlauf vierteljährlich online publiziert.