grazerkunstverein
(Artist Placement)
Frank Wasser
1. September - 31. Dezember 2026
Im Jahr 1965 gründete Barbara Steveni gemeinsam mit dem Künstler John Latham die Artist Placement Group (APG) (Künstler:innen-Praktikum Gruppe): ein Modell, das Künstler:innen in Unternehmen, Industriezweigen und Regierungsbehörden vermittelte, um sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit dem jeweiligen institutionellen Umfeld auseinanderzusetzen. Dabei stand nicht die Produktion eines Kunstwerks oder die Realisierung einer Ausstellung im Mittelpunkt, vielmehr ging es darum, Künstler:innen in einen konkreten Kontext einzubinden und so neue Perspektiven auf bestehende Strukturen und mitunter auch auf das Selbstverständnis der jeweiligen Organisation zu eröffnen. Der Leitgedanke der APG – „The context is half the work“ („Der Kontext ist die halbe Arbeit“) – verschob den Fokus vom Kunstwerk als isoliertes Objekt auf die Beziehungen, Strukturen und Situationen, innerhalb derer künstlerische Praxis überhaupt entsteht. An diese Idee knüpft die Institution im Rahmen der Amtszeit von Yana Foqué mit einem jährlich stattfindenden Artist Placement, was auch als Künstler:innenpraktikum übersetzt werden kann, an.
Jedes Jahr wird eine Künstler:in eingeladen, für einen längeren Zeitraum Teil der Institution zu werden und in deren bestehende Strukturen, alltägliche Prozesse, Gespräche und Arbeitsprozesse einzutreten. Das Programm versteht sich dabei nicht im klassischen Sinne als Residenz, sondern als Versuch, die Position von Künstler:innen innerhalb institutioneller Strukturen neu zu denken: jenseits des kurzen und intensiven Ausstellungszyklusses, durch den Künstler:innen vorübergehend in die Institution geholt werden, über künstlerische Produktion Wert schaffen und anschließend wieder gehen, während die Bedingungen, unter denen Künstler:innen arbeiten, also unsicheres Einkommen, begrenzte soziale Absicherung und fehlende langfristige Unterstützung weitgehend unverändert bleiben.
Für die erste Ausgabe dieses Zyklus freuen wir uns, Frank Wasser (geb. in Dublin, Irland) begrüßen zu dürfen. Der irische Künstler, Autor und Pädagoge arbeitet in den Bereichen Performance, Text, Installation, Skulptur und Bewegtbild. Im Zentrum seiner künstlerischen Praxis steht die kritische Auseinandersetzung mit den Infrastrukturen institutioneller Macht, Arbeit und kultureller Produktion. Dabei richtet er sein Augenmerk insbesondere auf die materiellen und diskursiven Bedingungen, unter denen Kunst produziert, vermittelt und rezipiert wird. Mittels der verkörperten Performance und des situativen Schreibens untersucht Wasser Fragen von Autorschaft, Klassendynamiken und Pädagogik sowie die strukturellen Bedingungen, durch die künstlerische Arbeit organisiert und der zeitgenössische Kunstdiskurs geprägt wird. Zu seinen jüngsten Projekten zählen Debt (Gruppenausstellung) im Salzburger Kunstverein, Österreich (2025), und The Irish Face in der Tate Britain Library and Archive, präsentiert in Zusammenarbeit mit Askeaton Contemporary Arts (2025).