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Frühling im Grazer Kunstverein
9. März – 19. Mai 2018


Carl Johan Högberg 
She Who Speaks 


Carl Johan Högberg, Togetherness, Öl auf Leinwand, 230 x 180 cm, 2015. Bildcourtesy des Künstlers.

Die Gemälde Carl Johan Högbergs sind merkwürdig. Unbestreitbar figurativ, trotzdem völlig unerwartet. Die Geschichten dahinter sind sogar noch verblüffender. Nehmen wir zum Beispiel seine aktuelle Faszination, Hélène Smith, eine wohlbekannte Hellseherin in der Schweiz des 19. Jahrhunderts, die angeblich mit Marsmenschen kommunizierte und Surrealisten von Paris bis nach Genf inspirierte. Die Zeiten überbrückend geht Höberg eine Verbindung mit der missverstandenen Muse ein und hinterfragt dadurch die Berechtigung einer solchen Auseinandersetzung mit einer Legende, deren Wahrheitsgehalt niemals vollständig geklärt werden kann.

In Högbergs Ausstellung geht es zum großen Teil um Empathie. Um die Ethik der Interpretation, das Medium der Meditation, und die Unmöglichkeit des Hörens der eigenen echten Stimme oder jemandes Blick durch den großen Sturm der Geschichte zu treffen. Ein neuer Schritt des sich entwickelnden Œuvres wird im Grazer Kunstverein ausgestellt – bestehend aus Gemälden, Wandteppichen und skulpturalen Installationen.


Niamh O’Malley
Foiled Glass
 

Niamh O’Malley, Nephin, Videostill, 2014, Einkanal-HD-Video. Courtesy der Künstlerin

Niamh O’Malleys Kunst zeigt eine profunde Wertschätzung für den Akt des Versuchs. Zu versuchen einen bestimmten Winkel Lichts einzufangen, zu versuchen ein Muster zu prüfen oder eine Komposition offenzulegen, zu versuchen einen Berg zu begreifen, zu versuchen die Zeit anzuhalten. Mittels bewegtem Bild, Zeichensetzung und skulpturalen Materialien wie Glas und Holz versucht O’Malleys Werk das Gewicht und das Wunder der Welt in seiner Entstehung einzufangen und zu reflektieren. Es ist jener Versuchsakt im Angesicht vorhersehbaren Scheiterns, der die Überzeugung und ein Gefühl der Hoffnung in der Arbeit der Künstlerin zugänglich macht. Voll Reflexion, sowohl buchstäblich als auch metaphorisch, angereichert durch Abwesenheit und umgeben von Negativraum, bringt O’Malleys Werk etwas Unaufhaltsames im menschlichen Geist zur Geltung, etwas das weder Entfernung noch Tod auslöschen kann.

Foiled Glass ist O’Malleys erste große Ausstellung in Österreich. Sie zeigt eine Auswahl von Video- und skulpturalen Arbeiten, entstanden zwischen 2013 und heute, sowie ein neues ortsspezifisches Gemälde entlang der Außenfläche des Grazer Kunstvereins.


Triple Candie
If Michael Asher


Bild mit Blick in den Grazer Kunstverein, überlagert von Raumplan, Courtesy von Triple Candie.

Triple Candie (Shelly Bancroft and Peter Nesbett) ist eine in den USA ansässige, avant-gardistische kuratorische Produktionsagentur, die mit Museen und zeitgenössischen Kunsträumen für Ausstellungen über Kunst zusammenarbeitet, im Allgemeinen aber von diesen unabhängig agiert. Im Laufe des Jahres 2018 wird Triple Candie einen vielschichtigen Beitrag zu Werk und Erbe des amerikanischen Konzeptkünstlers Michael Asher herstellen.

Triple Candies Vereinbarung mit dem Grazer Kunstverein besteht aus mehreren Teilen, die vier spekulative Projekte (institutionelle Interventionen) und eine stetig wachsende Forschungsarbeit beinhalten. Die vier Projekte, die 2018 der Reihe nach realisiert werden, versuchen das verlorene experimentelle Potenzial von Ashers Werk wiederauferstehen zu lassen, indem an seine Methodologien angeknüpft wird und dabei neue Interventionen in einem neuen Kontext kreiert werden. Zusätzlich ist es das Ziel von Triple Candie, Michael Ashers unorthodoxen Zugang in dem einzigartigen Kontext des Grazer Kunstvereins aufzuzeigen und seine legendäre Arbeitsweise in Bezug auf stets sich anbahnende Fragen kritisch zu beleuchten: in death, what next? Wie nähern wir uns einem Künstler wie Asher, dessen ortsspezifische Arbeit bei der Deinstallation zerstört wurde, und der während seines Lebens Reproduktionen seiner Arbeit ablehnte, und entwirren seine Ideen basierend auf dem, was er hinterlassen hat? Wie lässt sich die Immensität ihrer Relevanz an jüngere und zukünftige Generationen kommunizieren? Ist es möglich, durch das speculative Potenzial der Kunstpraxis vergangene Gesten auf neue und bedeutsame Weise neu zu aktivieren? Kann Ashers wichtiges Erbe ohne ihn erweitert werden?


Die Produktion der neuen Arbeiten von Carl Johan Högberg werden vom Mondriaan Fonds und dem AFK, Amsterdam Fonds voor de Kunst, unterstützt. Niamh O’Malley wird vom Arts Council of Ireland unterstützt und ihre Präsentation im Grazer Kunstverein dankenswerterweise von Culture Ireland.