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Herbst im Grazer Kunstverein
20. September – 16. November 2018

Im Rahmen der Herbstsaison freut sich der Grazer Kunstverein, zwei wichtige Neuaufträge von Dennis McNulty sowie von Anne Tallentire zusammen mit einem neuen Projekt des Department of Ultimology zu präsentieren. Dieses Projekt wurde in Kooperation mit steirischer herbst 2018 realisiert.

Sowohl Dennis McNulty wie auch Anne Tallentire interessieren sich für Infrastrukturen und Systeme, für Ideen rund um Architektur, Formgebung, latentes Wissen und die vierte Dimension. Im Rahmen ihrer einzigartig unterschiedlichen Ansätze dazu, Ideen auszudrücken und Spekulationen Form zu verleihen, entsteht durch ihr gemeinsames Interesse daran, den Aufbau der Welt durch verortete menschliche Wahrnehmung zu verstehen, ein überzeugender Verbindungspunkt zwischen ihren individuellen künstlerischen Praktiken.


Dennis McNulty
TTOPOLOGY


Dennis McNulty, Homo Gestalt, 2016. Foto: Rob Battersby

Dennis McNultys TTOPOLOGY ist ein in Entwicklung begriffenes, sich an die Gegebenheiten anpassendes Projekt, das sich mit der verkörperten Erfahrung von Raum und Zeit innerhalb einer gebauten Umgebung beschäftigt. Das Projekt besteht aus einer Reihe skulpturaler Werke, die sich zu einem audiovisuellen Spaziergang durch die Stadt erweitern. Schrittweise wird auf diese Weise ein Stück Realität freigelegt. TTOPOLOGY aktiviert die Requisiten und die MitspielerInnen, die manchmal das Projekt nachvollziehen, manchmal nicht, und die die überdachten Fußwege, die Untergrundpassagen, die schwebenden Inseln und die riesigen, mehrstöckigen Gebäude in Graz bevölkern. Eine  Mittagstour (von Mittwoch bis Samstag während steirischer herbst) bietet BesucherInnen die Möglichkeit, die alte Stadt auf eine neue Weise zu erleben, indem sie den neu konfigurierten Objekten und Szenarios am Weg begegnen. So entstehen neue Assoziationen und die eigene gewohnte Erfahrung von Zeit und Raum wird destabilisiert.

TTOPOLOGY  
Mittwoch–Samstag 12 Uhr

Dennis McNulty (geb. Galway, Irland) ist ein Künstler, Musikschaffender und Ingenieur. Seine Arbeit ist von seinem Hintergrund im Bereich der elektronischen Musik, seiner Ausbildung als Baustatiker und seinen Studien in Psychoakustik (Klangwahrnehmung) beeinflusst. McNulty arbeitet mit einer großen Bandbreite an Medien, die häufig spezifisch angefertigte Hardware und Software beinhalten, um damit AV-Arbeiten, skulpturale Installationen und Performances zu schaffen. Zu den neueren Projekten gehören TTOPOLOGY im VISUAL, Carlow (2018), anginging im Assembly Point, London (2018), Homo Gestalt im Bluecoat bei der Liverpool Bienniale (2016), beim Lofoten International Art Festival: Disappearing Acts, Svolvaer (2015), A Leisure Complex in der Collective Gallery, Edinburgh/Carnoustie (2014) und PROTOTYPES in der Limerick City Gallery of Art (2014). Zu den früheren Ausstellungen gehören Performa 11 (2011), Encuentro de Medellin (2007) und die São Paulo Bienal (2008 und 2004). McNulty ist ein Künstler-in-Residence im CONNECT, in Irlands Forschungszentrum für zukünftige Netzwerke und Kommunikationen, wo er aktives Mitglied der Orthogonal Methods Group ist.

TTOPOLOGY von Dennis McNulty wird vom Grazer Kunstverein und VISUAL Carlow koproduziert, mit Unterstützung des Arts Council of Ireland Project Award.


Anne Tallentire
Plan (…)


Anne Tallentire, Material Condition: Teil 1, 2016. Foto: Andy Keate

Anne Tallentires Plan (…) ist eine Ausstellung, die auf der fortlaufenden Beschäftigung der Künstlerin mit Präkarität und Kontingenz im Hinblick auf die Problematik von Raum und sozialer Handlungsmacht aufbaut. Tallentires Ansatz greift auf fließende Bewegung, Mobilität, Beobachtung und den Zufall zurück. Sie kreiert skulpturale Installationen oder räumliche Zeichnungen, indem sie bestimmte Materialien und Systeme demontiert, die sich auf eine spezifische Örtlichkeit, Situation oder eine soziale Konstruktion beziehen. Als Ausgangspunkt nimmt sie die Terrassenhaussiedlung – einen innovativen Wohnhauskomplex in Graz  – und lässt sich auf eine Meditation über strukturelle Details ein. Sie erkundet die Vorstellungen von Dimensionalität und Kartierung, indem sie mit Alltagsbaumaterialien einen physikalischen Raum in den anderen transponiert. Bei der Repräsentation von Abstraktionen im lebenden und geteilten Raum hinterfragt Tallentire die Bedingungen, die Muster im täglichen Leben bestimmen, regulieren und formen.

Anne Tallentire (geb. Armagh, Nordirland) lebt seit 1986 in London. Sie arbeitet mit einer ganzen Bandbreite von Medien wie Assemblage, Video, Klang, Text, Performance und Fotografie. Ihre Praxis schließt die Bedeutung des Mondänen und Übersehenen in Bezug auf kulturelle, soziale und architektonische Kontexte ein. Solo-Ausstellungen und Projekte sind u.a. Shelter im Nerve Centre, Derry (2017), AS FAR AS in den Hollybush Gardens, London (2016), This and other Things im IMMA, Dublin (2010), Drift: diagram xiii im Void, Derry (2002), Dispersal (work-seth/tallentire) in der Orchard Gallery, Derry (2001), und Instances, das Irland auf der Biennale in Venedig repräsentiert hat (1999). Zu den Gruppenausstellungen gehören Truth 24 Frames per second im Dallas Museum of Art ( 2017), KeZu ywords: Art, Culture and Society in 1980’s Britain in der Tate Liverpool (2014), At your service im Technischen Museum, Wien (2013), Winter Garden im Flat time House, London (2014), Le Monde Physique in der La Galerie, CAC, Noisy-Le-Sec, Paris (2011) und Neue Welt im Frankfurter Kunstverein, Frankfurt (2001). Tallentire wird von den Hollybush Gardens, London, repräsentiert.

Anne Tallentire wird vom Arts Council of England durch den Artists’ International Development Fund gefördert.


Department of Ultimology
Was Wo


Bild, das von einem abgelaufenen Patent für eine schattenlose Sonnenuhr adaptiert wurde, 1972. Courtesy des Department of Ultimology.

Was Wo ist ein neues Projekt des Department of Ultimology. Ultimologie ist das Studium dessen, was bereits tot oder im Sterben begriffen ist, was fehlt oder gefährdet ist. Als Methodologie für eine kreative und kritische Analyse wird sie auf kulturelle Agenden von Menschen in Graz und in der Steiermark angewendet mit dem Versuch, die Beziehungen zu vermessen, die Menschen mit besonderen Augenblicken, Ereignissen, Traditionen, Ritualen und Praktiken verbinden, die dieser Umgebung eigen sind. Beispielsweise untersucht das Projekt die Pflege traditioneller Bekleidung aus der Steiermark (Trachten). Ein spezifisch zusammengestellter Fragebogen ist für BesucherInnen verfügbar, um über Elemente der Volkskunst oder Kultur zu reflektieren, die charakteristisch für ihre eigene Erfahrung ist. Beeinflusst von der strukturierenden Kraft der Jahreszeiten erhält das Projekt seinen Titel von dem letzten unbekannten Stück Samuel Becketts, das vom steirischer herbst Festival 1983 beauftragt wurde.

Das erste Department of Ultimology wurde von Fiona Hallinan und Kate Strain als Universitätsinstitut 2016 im Trinity College Dublin, Irland, eingerichtet. Es ist weiterhin von seinem Hauptsitz im CONNECT Centre for Future Networks and Communications aus aktiv. 2018, in Kooperation mit steirischer herbst, Volksfronten, etablierte das Department eine Ultimology-Arbeitsgruppe mit den Künstlerinnen/Forscherinnen Nina Höchtl und Julia Wieger in Graz, Österreich.

Was Wo des Department of Ultimology wurde von steirischer herbst 2018, Volksfronten, und vom Grazer Kunstverein beauftragt und produziert.


Triple Candie
If Michael Asher


Ausstellungsansicht von Triple Candie: If Michael Asher, als Teil von Sommer 2018 im Grazer Kunstverein. Fotografie von Christine Winkler.

Triple Candie (Shelly Bancroft and Peter Nesbett) ist eine in den USA ansässige, avantgardistische kuratorische Produktionsagentur, die mit Museen und zeitgenössischen Kunsträumen für Ausstellungen über Kunst zusammenarbeitet, im Allgemeinen aber von diesen unabhängig agiert. Im Laufe des Jahres 2018 wird Triple Candie einen vielschichtigen Beitrag zu Werk und Erbe des amerikanischen Konzeptkünstlers Michael Asher herstellen.

Teil II von Triple Candies Vereinbarung mit dem Grazer Kunstverein (zu sehen von 7. June – 3. August) konzentriert sich auf das Thema des Wertes der Beziehung zwischen Grazer Kunstverein und der neu angrenzenden Innenhofmöbel-Firma, Chillout Area. Dies mündete in die Präsentation einiger Möbelstücke von Chillout Area im Eingangsbereich des Grazer Kunstvereins, begleitet von der folgenden prozesserklärenden Notiz:

Der Grazer Kunstverein ist von der Straße nicht sichtbar. Um ihn zu betreten müssen die BesucherInnen die Straße verlassen, durch eine überdachte Passage treten, die sich zwischen zwei Veranstaltungsorten für bildende Kunst befindet, weiter an einem kleinen, nach oben offenen Hof vorbei und durch eine zweite überdachte Passage, bevor sie auf einen großen zentralen Platz gelangen, der auf einer Seite von den acht wandhohen Glasfenstern des Grazer Kunstvereins gerahmt wird. Das Zentrum der Plaza wird von einer vor Kurzem gebauten, erhöhten, landschaftlich gestalteten Terrasse gebildet, die Terrassen- und Gartenmöbel von einem benachbarten Geschäft ausstellt. Die Ausstellungen des Grazer Kunstvereins sind von der Terrasse aus, und die Terrassenmöbel von der Galerie aus sichtbar. Wir interessieren uns für die Beziehung zwischen diesen beiden Räumlichkeiten bzw. Lokalen.

Unser Vorschlag lautet, dass der Grazer Kunstverein vom 7. Juni bis zum 3. August mit dem Geschäft für Gartenmöbel zusammenarbeitet: Der Kunstverein borgt sich von dem Geschäft sechs Fermob Luxembourg Gartenstühle aus, um diese im Empfangsbereich des Kunstvereins auszustellen. Wir bitten darum, die Stühle an lila Seilen in Dreiergruppen an der Wand aufzuhängen, nach einer Aufbewahrungsempfehlung des Herstellers. Auf diese Weise werden der Präsentation keine ästhetischen Entscheidungen weder vom Team der Galerie noch von uns selbst auferlegt. Während dieser Periode sollen außerdem keine Fermob Luxembourg Gartenstühle im Außenbereich auf der Terrasse ausgestellt werden, sodass die KundInnen des Gartenmöbelgeschäfts in den Grazer Kunstverein kommen müssen, um sie zu sehen.


Anmerkung: Die sechs Luxembourg-Sessel, auf die der Text oben hinweist, wurden verkauft und vom Leihgeber zwei Wochen vor Ende des Projekts entfernt. Sie wurden in der Folge durch vier neue Kaffeehaus-Sessel ergänzt.